Da das Chinesische kein Alphabet kennt, lässt sich Hanzi nicht Buchstabe für Buchstabe übertragen. Für die Übersetzung von Urkunden verlangt die deutsche Justiz daher die Anwendung der ISO-Norm 7098. Sie regelt die offizielle Romanisierung nach dem Hanyu-Pinyin-System. Lingidoo zeigt, wie chinesische Namen rechtssicher im Melderegister landen.
In diesem Beitrag von Lingidoo erfahren Sie, wie chinesische Namen für eine beglaubigte Übersetzung rechtssicher übertragen werden, warum Pinyin den Ton angibt und weshalb Urkunden aus Taiwan oder Hongkong ganz eigenen Regeln (und der sogenannten Pass-Priorität) folgen.
Warum Tools bei chinesischen Namen scheitern
Vielleicht haben Sie unsere kostenlose Transliteration Software für Chinesisch bereits getestet und festgestellt, dass die Eingabe für chinesische Zeichen blockiert ist. Das hat einen triftigen, fachlichen Grund.
Die chinesische Sprache nutzt Logogramme (Wortzeichen). Ein einziges Schriftzeichen kann, je nach Name, Region oder historischem Kontext, völlig unterschiedlich ausgesprochen werden (Polyphonie). Ein Algorithmus, der Zeichen einfach 1:1 stur ersetzt, würde bei Personennamen katastrophale Fehler produzieren.
Für eine rechtssichere Umschrift nach ISO 7098 verlassen sich unsere ermächtigten Übersetzer daher niemals auf einfache Konverter. Sie gleichen die Namenstraditionen mit professionellen linguistischen Datenbanken, amtlichen Registern und Ihren vorliegenden Ausweisdokumenten ab, um die exakte Lesart zu verifizieren.
Die Logik hinter ISO 7098 (Hanyu Pinyin)
Jahrzehntelang herrschte im Westen ein regelrechtes Chaos bei der Schreibweise chinesischer Eigennamen. Der Name der chinesischen Hauptstadt wurde in Deutschland als Peking geschrieben, historische Persönlichkeiten kannten wir als Mao Tse-tung. Das basierte meist auf veralteten Systemen (wie dem britischen Wade-Giles-System).
Seit 1991 gilt weltweit und verbindlich die ISO 7098. Sie erhebt das in China entwickelte System Hanyu Pinyin zum Goldstandard. Pinyin ordnet den Lauten des Hochchinesischen (Mandarin) feste lateinische Buchstaben zu. Aus Mao Tse-tung wurde nach Norm folglich Mao Zedong und aus Peking wurde Beijing.
Das deutsche Personenstandsgesetz schreibt für amtliche Übersetzungen die Anwendung dieser ISO-Norm zwingend vor.
Die alles überragende Ausnahme: Der Reisepass
Die Theorie der ISO-Norm trifft in der Praxis der Standesämter auf eine mächtige Gegenspielerin: die Pass-Priorität. Wenn eine Person einen internationalen Reisepass besitzt, in dem der Name in lateinischen Buchstaben abgedruckt ist, muss der Übersetzer zwingend diese Schreibweise übernehmen. Das ist besonders bei Dokumenten aus Taiwan, Hongkong oder Macau entscheidend, da dort Pinyin historisch oft nicht verwendet wurde. Der Übersetzer vermerkt diese Abweichung zur eigentlichen ISO 7098 dann in einer Fußnote auf der Übersetzung.
Überblick: Typische chinesische Familiennamen
In der Volksrepublik China steht der Familienname traditionell immer an erster Stelle. Die ISO 7098 regelt genau, wie diese in Pinyin dargestellt werden. Die folgenden Beispiele zeigen die am weitesten verbreiteten Familiennamen.
| Zeichen (Hanzi) | Umschrift nach ISO 7098 (Pinyin) | Abweichende Form (oft in Taiwan/HK Pässe) |
| 王 | Wang | Wong |
| 李 | Li | Lee |
| 张 / 張 | Zhang | Chang / Cheung |
| 刘 / 劉 | Liu | Lau |
| 陈 / 陳 | Chen | Chan |
| 杨 / 楊 | Yang | Young / Yeung |
| 黄 / 黃 | Huang | Wong / Hwang |
| 赵 / 趙 | Zhao | Chao / Chiu |
Zweisilbige Vornamen: Zusammen oder getrennt?
Eine häufige Fehlerquelle bei Laien-Übersetzungen ist die Schreibweise von chinesischen Vornamen. Diese bestehen sehr oft aus zwei Schriftzeichen (z. B. 泽东 für Zedong).
Die ISO 7098 gibt hier eine klare Regel vor: Zweisilbige Eigennamen werden in der lateinischen Umschrift immer als ein zusammenhängendes Wort (ohne Bindestrich und ohne Leerzeichen) geschrieben. Lediglich der erste Buchstabe des Vornamens wird großgeschrieben.
| Chinesischer Name (Gesamt) | Familienname | Vorname | Amtliche Schreibweise (ISO 7098) |
| 习近平 | 习 (Xi) | 近平 (Jinping) | Xi Jinping |
| 李小龙 | 李 (Li) | 小龙 (Xiaolong) | Li Xiaolong |
| 周杰伦 | 周 (Zhou) | 杰伦 (Jielun) | Zhou Jielun |
(Achtung: In westlichen Medien werden teilweise noch Bindestriche wie in „Chiang Kai-shek“ verwendet. Auf einer amtlich beglaubigten Übersetzung für deutsche Ämter ist dies nach heutiger Norm unzulässig, sofern der Reisepass keinen Bindestrich aufweist).
Regionale Unterschiede: Warum Pinyin nicht immer gilt
Während Dokumente aus Festlandchina (Volksrepublik) ausnahmslos nach ISO 7098 (Pinyin) übertragen werden, treffen Übersetzer bei Dokumenten aus anderen Regionen fast immer auf die Ausnahmeregelung der Pass-Priorität.
Taiwan (Republik China)
Taiwan nutzt traditionelle Schriftzeichen. Auch wenn Taiwan offiziell zunehmend Pinyin verwendet, basieren die meisten Reisepässe noch auf dem älteren Wade-Giles-System. Dieses System zeichnet sich durch Apostrophe und Bindestriche aus.
Beispiel: Der Name 台北 (die Hauptstadt) wird nach ISO als „Taibei“ übersetzt, im Pass und Alltag steht jedoch „Taipei“.
Hongkong und Macau
In Hongkong wird überwiegend Kantonesisch gesprochen, nicht Hochchinesisch (Mandarin). Die Namen in Hongkonger Pässen basieren auf der kantonesischen Aussprache (oft nach dem System Jyutping oder historischen britischen Schreibweisen).
Beispiel: Der Familienname 吳 wird in Festlandchina nach ISO 7098 als „Wu“ geschrieben, im Reisepass eines Bürgers aus Hongkong steht jedoch meist „Ng“.
Bei der Übertragung chinesischer Namen verlangt die deutsche Justiz die ISO-Norm 7098 auf Basis des Hanyu-Pinyin-Systems. Zweisilbige Vornamen werden dabei ohne Bindestrich zusammengeschrieben. Bei Dokumenten aus Taiwan oder Hongkong setzt die Pass-Priorität jedoch oft abweichende Schreibweisen durch. Mit der Fachkompetenz von Lingidoo stellen Sie sicher, dass Ihre beglaubigte Übersetzung beim Standesamt rechtssicher anerkannt wird.
FAQs zur Romanisierung nach ISO 7098 für chinesische Namen
Warum fehlen auf meiner deutschen Übersetzung die Tonzeichen (Accents)?
Die chinesische Sprache ist eine Tonsprache (Mandarin hat vier Töne). Im Pinyin-System werden diese Töne eigentlich mit Akzenten über den Vokalen markiert (z. B. ǎ, é). Das deutsche Personenstandsregister ist technisch und rechtlich jedoch nicht auf diese Tonhöhen-Markierungen ausgelegt. Die Standesämter übernehmen bei Urkunden in der Regel nur die reinen lateinischen Grundbuchstaben (ohne Diakritika).
Kann ein Software-Tool meinen chinesischen Namen nicht einfach übersetzen?
Nein, zumindest nicht rechtssicher. Da chinesische Zeichen für Wörter und nicht für einzelne Laute stehen, kann ein Zeichen in Kombination mit anderen Zeichen plötzlich anders ausgesprochen werden. Nur ein geschulter Fachübersetzer kann anhand des Kontextes, der Grammatik und der amtlichen Papiere die korrekte Lesart ermitteln.
In meinem Pass aus Taiwan steht mein Name mit einem Bindestrich. Was gilt?
In diesem Fall greift in Deutschland die „Pass-Priorität“. Auch wenn die ISO 7098 vorschreibt, dass zweisilbige Vornamen zusammengeschrieben werden (z. B. Xiaoming), muss der Übersetzer die Schreibweise aus Ihrem taiwanischen Reisepass (z. B. Hsiao-ming) exakt übernehmen, damit Sie sich problemlos ausweisen können.
Mein Name wird im Kantonesischen ganz anders ausgesprochen als im Mandarin. Geht das verloren?
Wenn Sie ein Dokument aus Hongkong vorlegen und einen entsprechenden Pass besitzen, wird der vereidigte Übersetzer die kantonesische Ausweis-Schreibweise übernehmen. Liegt jedoch nur ein historisches Dokument vor (ohne Ausweis), greifen deutsche Behörden als Fallback-Ebene auf die Hochchinesische ISO-Norm 7098 zurück.
Wo finde ich die offiziellen Regelungen zur Hanyu-Pinyin-Umschrift?
Wenn Sie tiefer in die linguistische Entstehungsgeschichte, die Ausspracheregeln der einzelnen Buchstaben (wie Q, X oder ZH) und die Unterschiede zu älteren Systemen eintauchen möchten, bietet der detaillierte Wikipedia-Artikel zur ISO 7098 (Hanyu Pinyin) eine hervorragende Informationsquelle.